ZSÓ ZSÓ - Porträt (DE)
(EN version below)

„Ich habe versucht, einen Teil von mir kleiner zu machen. Und jetzt lerne ich, ihn zu lieben.“

ZSÓ ZSÓ kommt aus dem Wald.

Nicht aus einem echten Ort.

Eher aus einem inneren.

Aus ihrer Art, der Welt zu begegnen.

Sie bleibt stehen.

Sie lauscht.

Zwischen Wildnis und Utopie erschafft sie poetischen Indie-Pop. Mit verträumten Gitarren, organischer Percussion und ihrer klaren, warmen Stimme entstehen Songs, in denen Melancholie und Hoffnung nebeneinander sitzen dürfen. Es sind Lieder über Vergänglichkeit, Verwurzelung, Liebe und Veränderung.

Für ZSÓ ZSÓ ist Melancholie nichts Düsteres.

„Melancholie ist für mich ein demütiger Seufzer vor dem Leben.“

Wenn etwas in uns still wird und die Welt plötzlich mehr von sich zeigt.

Das, was zwischen den Zeilen liegt.

Ein Vogelruf.

Eine Erinnerung, die plötzlich auftaucht.

Das Licht zwischen den Bäumen.

Das Gefühl, dass alles miteinander verbunden ist.

Vielleicht beginnt genau dort ihre Musik.

Nicht als Antwort.

Sondern als eine Form des Zuhörens.

 

Musik begleitet sie, seit sie denken kann.

Zu ihren frühesten Erinnerungen gehört ein alter Kassettenrekorder. Als Kind nahm sie darauf Lieder, Gedichte und kleine Geschichten auf. Sie erfand Welten, ohne zu wissen, dass daraus einmal Songs werden würden. Es machte ihr einfach Freude.

Mit sechs Jahren sollte sie Blockflöte lernen. 

Im letzten Moment entschied sie sich anders.

Sie wollte lieber Gitarre spielen.

Weil man dazu singen konnte.

Sie erzählt diese Geschichte manchmal und muss selbst darüber schmunzeln.

Heute ist sie diesem Kind unendlich dankbar.

Dieser inneren Stimme folgt sie immer noch.

Mit der klassischen Gitarre beginnt etwas, das sie bis heute begleitet.

„Im Leben kommen und gehen viele Dinge. Die Gitarre ist geblieben. Durch jede Version von mir.“

Von Bach bis zur Gitarrenliteratur des 20. Jahrhunderts, später viele Jahre Flamenco – nicht als stilistische Vorlage für die Songs, die sie heute schreibt.

Eher als eine emotionale Sprache.

Eine Sprache, in der Sehnsucht, Trauer und Schönheit ganz selbstverständlich nebeneinander existieren dürfen.

 

Als Teenager begann sie, eigene Lieder zu schreiben. Daraus wurde mit den Jahren eine kontinuierliche künstlerische Praxis.

Nach ersten Bandprojekten arbeitete sie als Songwriterin, unter anderem mit dem Kölner Duo Head Under Water, und veröffentlichte später unter dem Namen róka eigene Songs, die elektronisch produziert waren und in einer ganz anderen Klangwelt entstanden.

Irgendwann kam die Frage in ihr auf:

„Was fühlt sich eigentlich wirklich nach mir an?“

Und dann merkte sie, dass ihre Sehnsucht sie nicht weiter weg führte.

Nicht zu mehr.

Sondern näher.

„Weniger Bildschirm. Mehr Holz.“

 

Seit einiger Zeit führt sie noch eine andere leise Unterhaltung.

Mit ihrer ungarischen Herkunft.

Nicht zurück.

Sondern zum ersten Mal bewusst dorthin.

Geboren wurde sie als Zsófia – Sophia in der ungarischen Schreibweise. Die ersten fünf Jahre ihres Lebens verbrachte sie in Ungarn, bevor ihre Familie nach Deutschland zog.

Mit den Jahren wurden die Besuche bei Familie und Freunden immer seltener.

Die ungarische Sprache verblasste langsam.

Irgendwann sprach sie selbst mit ihrem Vater nur noch Deutsch.

Sich als Ungarin zu bezeichnen fühlt sich heute manchmal noch fremd an.

Vielleicht auch, weil sie lange das Gefühl hatte, diesem Teil ihrer Herkunft gar nicht mehr gerecht werden zu können.

Nicht, weil diese Wurzeln verschwunden waren.

Sondern weil die Verbindung zu ihnen so leise geworden war.

Und da war noch dieses kleine „Zs“.

Es war nie ein Problem.

Aber manchmal schien das Leben mit ihm einfach ein bisschen umständlicher zu sein, weil es immer wieder erklärt, buchstabiert oder korrigiert werden musste.

Bis hin zu dem Wunsch, es irgendwann loswerden zu wollen.

Heute macht sie ausgerechnet dieses kleine „Zs“ zum sichtbarsten Teil ihres Namens.

ZSÓ ZSÓ ist keine Kunstfigur.

Der Name erzählt von einer langsamen Versöhnung.

Von der Entscheidung, sich nicht länger an den Stellen zu vereinfachen, die zu ihr gehören.

„Dann eben jetzt erst recht.“

Seitdem beginnt eine neue Annäherung an ihre ungarischen Wurzeln.

Sie lernt die Sprache wieder, entdeckt die Kultur aus der Perspektive der Erwachsenen, die sie heute ist, und spürt, wie es langsam auch ihre Musik verändert.

Aus Neugier.

Aus Zärtlichkeit.

Aus dem Wunsch heraus, einem Teil ihrer Geschichte wieder zuzuhören.

Und aus dem Gefühl, dass Herkunft vielleicht nichts ist, was man beweisen muss – sondern etwas, dem man sich liebevoll annähern darf.

 

Annäherung.

Vielleicht beschreibt kein anderes Wort ihren Weg besser.

Eine Annäherung.

An das, was sich stimmig anfühlt.

An das, was verbindet.

 

Lange hat sie sich gefragt, warum es sie eigentlich auf eine Bühne zieht.

Sie ist ein eher leiser Mensch.

Das war sie schon immer.

Und trotzdem singt sie.

Heute vermutet sie, dass die Antwort hier liegt.

„Ich wünsche mir, dass sich jemand die Mühe macht, genau hinzuhören. Zwischen den Zeilen zu lesen. Und ein Stück zu erkennen, wer ich eigentlich bin.“

Musik ist für sie ein Ort, an dem sie sich selbst ein Stück näherkommen kann.

Aus dieser Nähe entsteht Begegnung.

Mit sich.

Und mit anderen.

 

Vielleicht kommen ihre Lieder deshalb aus dem Wald.

Weil Wälder nichts erklären.

Sie laden uns ein, langsamer zu werden.

Sie lassen die Dinge da sein.

Mit all ihrer Zerbrechlichkeit.

Mit all ihrer Schönheit.

Und dem Leben zu lauschen.


 

ZSÓ ZSÓ  - Portrait (EN)

"For a long time, I tried to make a part of myself smaller.
Now I'm learning to love it."

ZSÓ ZSÓ comes from the forest.

Not a real one. An inner one.

It is the place she returns to when she wants to understand the world.

She pauses.

She listens.

Somewhere between wilderness and utopia, she creates poetic indie pop. Dreamlike guitars, organic percussion and her warm, clear voice come together in songs where melancholy and hope are allowed to sit side by side. Songs about impermanence, belonging, love and change.

To ZSÓ ZSÓ, melancholy is never something dark.

"To me, melancholy is a humble way of listening to life."

It is the moment something inside us grows quiet, and the world begins to reveal a little more of itself.

What lives between the lines.

The call of a bird.

A memory that suddenly returns.

Light filtering through the trees.

The feeling that everything is connected.

Maybe that is where her music begins. As a way of listening.

 

Music has been with her for as long as she can remember.

One of her earliest memories is an old cassette recorder. As a child, she used it to record songs, poems and little stories. She invented entire worlds without knowing they would one day become songs.

She simply loved doing it.

When she was six, she was supposed to learn the flute. 

At the last moment, she changed her mind.

She wanted to play the guitar instead.

Because you could sing with it.

She sometimes tells this story and still smiles to herself.

Today, she is deeply grateful to that little girl.

 

She is still following that inner voice.

The classical guitar marked the beginning of something that has stayed with her ever since.

"Many things have come and gone. The guitar stayed. Through every version of me."

From Bach to twentieth-century guitar repertoire, and later many years of flamenco, these traditions did not become stylistic blueprints for the music she writes today.

They became an emotional language.

A language in which longing, grief and beauty naturally exist side by side.

 

As a teenager, she began writing her own songs. Over the years, songwriting grew into a continuous artistic practice.

After her first bands, she worked as a songwriter, including with the Cologne duo Head Under Water. Later, under the name róka, she released electronically produced songs that belonged to a completely different sonic world.

At some point, a question began to surface.

"What actually feels like me?"

And she realised that her longing was not leading her further away.

Not towards more.

But closer.

"Less screen. More wood."

 

For some time now, another quiet conversation has been unfolding.

One with her Hungarian roots.

Not a return.

But a conscious arrival for the first time.

She was born Zsófia — the Hungarian spelling of Sophia. She spent the first five years of her life in Hungary before her family moved to Germany.

As the years passed, visits to family and friends became less frequent.

Her Hungarian slowly faded.

Eventually, even the conversations with her father happened almost entirely in German.

Even today, calling herself Hungarian can still feel unfamiliar.

Perhaps because, for a long time, she felt she no longer had the right to claim that part of herself.

Not because those roots had disappeared.

But because her connection to them had become so quiet.

And then there was that little "Zs."

It was never really a problem.

But life sometimes seemed a little more complicated because of it. It always had to be explained, spelled or corrected.

There was even a time when she wished she could simply let it go.

Today, she has made that little "Zs" the most visible part of her name.

ZSÓ ZSÓ is not a stage persona.

The name tells the story of a slow reconciliation.

Of choosing to stop making herself smaller in the places that truly belong to her.

"Then all the more."

Since then, a new journey towards her Hungarian roots has begun.

She is learning the language again, rediscovering the culture through the eyes of the adult she has become, and noticing how it is slowly finding its way into her music.

Out of curiosity.

Out of tenderness.

Out of a desire to listen again to a part of her own story.

And out of the feeling that perhaps our origins are not something we have to prove, but something we are allowed to approach with love.

Coming closer.

Perhaps no other words describe her path more truthfully.

Coming closer.

To what feels true.

To what creates connection.

 

For a long time, she wondered why she felt drawn to the stage.

She has always been a quiet person.

And yet, she sings.

Today, she thinks the answer may be here.

"I hope someone will take the time to truly listen. To read between the lines. And to recognise a small part of who I really am."

For her, music is a place where she can come a little closer to herself.

And from that closeness, something else becomes possible.

A meeting.

With herself.

And with others.

Maybe that is why her songs come from the forest.

Because forests never explain themselves.

They invite us to slow down.

They allow things to simply be.

In all their fragility.

In all their beauty.

And to listen to life.
 

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